Sonntag, April 09, 2006
Die Reiseroute
Bild: www.wikipedia.deLabels: Australien, Bangladesh, Indien, Indonesien, Iran, Malaysia, Myanmar, Pakistan, Singapur, Thailand, Türkei, Überland, Weltreise
Samstag, Januar 14, 2006
Drum and Bass in Lahore
Heute früh kamen wir mit dem Nachtzug an in Lahore - dem Herzen Pakistans. Ein ganz harmloser und simpler Sightseeingtag sollte es werden, und so machten wir uns auf den Weg in Richtung Altstadt, wo wir das monumentale Fort und die direkt angrenzende 450 Jahre alte Moschee bestaunten. Der ganze Komplex gilt neben den vielen Gärten und Grünflächen als das Wahrzeichen der Universitätsstadt. Welch Hochgenuss, sich einfach mal wieder den passiven Sehenswürdigkeiten hingeben zu können.Der Bär steppte dafür umso mehr in dem benachbarten Park, wo ein köstlicher Rummelplatz aufgestellt war. Hundertschaften an Familien tummelten sich dort am zweiten Eid-Feiertag und amüsierten sich. Es gibt zwei Regeln, wie man vermeiden kann, nicht selbst zur Hauptattraktion des Parks zu werden.
1. stets (am Besten forsch) in Bewegung bleiben
2. Kamera im Rucksack lassen
Beide Regeln sträflich missachtet, war es da, das Bataillon an Händeschüttlern, Fotogenen und "Where-You-from"-lern :) Es würde ein Vermögen kosten, wollte man alle ablichten, die sich für ein "pitcure" vor die Linse drängen. Und so erfasste meine 36er Kodakrolle auf wundersame Weise plötzlich eine beachtliche 3-stellige Zahl an Bildern. Alle sind glücklich :)
Das Nachbeben der bizarren Tage von Peshawar folgte dann am Abend. Die geschlossene Belegschaft des Backpackers fuhr mit einem Konvoi Motor-Rikschas an einen Ort etwas am Stadtrand. Dort trifft sich jeden Donnerstag die Sufi-Gemeinde. Auf verschiedenen Terrassen verteilt, sitzen dann mehrere Hunderte kreisförmig auf dem Boden, größtenteils benebelt von dem ausladenden Haschischkonsum, und ergeben sich den beiden Trommlern, die in der Mitte ein stundenlanges Trommelfeuerwerk abschießen. Irgendwann gesellen sich auch ein paar Tänzer und Twister in die Mitte, die sich unter den Trommelschlägen und den Chören in totale und völlige Trance und Ekstase tanzen.
Besonders herausragend waren die koordinativen Fähigkeiten eines Tänzers, der sich in schwindelerregender Geschwindigkeit drehte und umherwirbelte als gäbe es kein Morgen mehr. Hätte er Bernoulli-Arme gehabt, hätte er vermutlich abgehoben. Die wohl konditionell bedingten Drehpausen überbrückte er nahtlos mit wirklich angsteinflößenden Kopfschüttelperformanzen. Ich kann es immer noch nicht bergreifen, dass der Kopf nicht einfach vom Hals wegbrach. Ein wahrhaftiges Wunderwerk der Anatomie.
Um 2.30 Uhr beschlossen wir alle, so langsam aufzubrechen und uns nach einer Nacht-Snack-Attack in die Kojen zu werfen.
Bis demnächst in Indien
Euer David
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Die Feste feiern wie sie fallen
Die Ereignisse überstürzen sich. Nach den beiden ersten heftigen Tagen in Peshawar, die eigentlich erst einmal einige Tage der Verarbeitung bedürften, ging es für mich bereits am nächsten Morgen nahtlos weiter in dem "Harter-Toback"-Programm. Es war der erste "Eid" holiday (gesprochen „iiied“), einem der heiligsten Feiertage der muslimischen Glaubensgemeinschaft, und während ich so meines Weges schlenderte, wurde ich plötzlich von einer Horde Menschen in einen großen Hof gerufen.Dort wurden die letzten Vorbereitungen für das Schächten einer Kuh getroffen. Sieben Familien hatten zusammengelegt und sich für umgerechnet 280 Euro zum Festanlass dieses Tier gekauft, dessen letzte Stunde nun geschlagen hatte. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Bevorstehende wirklich sehen wollte, bzw. wie mein vegetatives System damit umgehen würde. Aber man bedrängte mich förmlich zu bleiben, und so blieb mir kaum eine Wahl.
Das sichtlich verängstigte Tier wurde an den Beinen gefesselt, zu Boden gebracht und von allen Seiten gehalten, der Körper in Richtung Mekka und der Kopf so gedreht, dass die Schlagader besonders exponiert war. Das Messer gewetzt, ein Stoßgebet zum Himmel, und dann floss Blut - und das nicht zu wenig. Die Bilder schwirren mir permanent durch den Kopf, wie sie alle dastanden: der blutverschmierte Schächter, die Männer der Familien, die andächtigen Kinder. Und alle halfen sie mit bei der anschließenden Zerlegung des Tieres.
Man sah mir die Beklommenheit wohl an, denn schon schnell kam jemand her und erklärte mir den großen Zusammenhang, die Überlieferung durch den Koran, die Vorteile des Schächtens gegenüber dem Elektorschocktod und die religiöse Wichtigkeit dieser Zeremonie. Alle waren sehr bedacht darauf, dieses Brauchtum für mich ins rechte Licht zu rücken.
Danach folgten noch ein junger Ochse und zwei Ziegen, deren Schächtung ich aber nur peripher wahrnehmen konnte, zumal ich nebenbei mit 14 Litern Tee und Eid-Spezialitäten fürsorglichst verköstigt und in zahllose herzliche Gespräche verwickelt wurde.
Die ganze Dimension dieser Zeremonie wurde aber erst beim späteren Spaziergang durch die Altstadt wirklich offensichtlich. Überall in den Gassen war Blut, vor jedem dritten Haus lag ein totes oder stand ein noch lebendiges Vieh, es gab spezielle Stationen für die Sammlung der Felle und der Gedärme (meterhoch!). Heftig.
Vor unserer Weiterreise mit dem Nachtzug nach Lahore wurde ich abermals eingeladen von einer der oben erwähnten Familien, um mit ihnen gemeinsam Abend zu essen. Auch Marius sollte ich mitbringen, und so saßen wir beide einmal mehr inmitten der ungemein warmherzigen Gastfreundschaft Pakistans.
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Freitag, Januar 13, 2006
Nachschlag
Bevor es weitergeht mit dem nächsten Reisebericht, vielleicht noch ein paar Worte über die vergangenen beiden Texte. Die Tribal Gegend um Peshawar ist ein integraler Bestandteil der hiesigen Kultur, und es ist durchaus lehrreich, wenn man die sozialen und historischen Hintergründe der Probleme dieser Gegend einmal aus der Nähe und von allen Seiten betrachtet und relativiert. Die Waffenproduktion ist beispielsweise bereits eine Generationen alte Kunstfertigkeit, in die die Menschen hier hereinwachsen. Die Leute sind stolz auf ihre "Kunstwerke" und präsentieren diese dementsprechend. Wenn man als "Tourist" in diese Gegend gehen will, um sich ein eigenes Bild von alledem machen zu können, wird es quasi von einem erwartet, dass man sich selbst auch einmal an einer Waffe ausprobiert. Wie sich hoffentlich jeder vorstellen kann, und davon gehen wir aus, wenn wir unsere Berichte zugunsten der unterhaltsameren Lesbarkeit teilweise etwas überspitzt verfassen, sind wir selbst die ersten, die alledem mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen.
Was mit den Waffen dann letztendlich passiert und wie sie neben dem Selbstschutz eventuell auch Terroristen in die Hände fallen können, ist ein höchst kompliziertes Geflecht an sozialen, historischen und religiösen Faktoren, die sich in der kurzen Zeit auch uns nur bruchstückhaft erschließen. Es steht jedenfalls fest, dass nicht alles so schwarz und weiß ist, wie das in den Medien der westlichen Welt oft dargestellt wird. Für uns hat sich während dieser Tage diesbezüglich einiges relativiert, und der Diaolog mit den Menschen in dieser Gegend hat uns für so manche Dinge die Augen geöffnet.
Wir wollen mit diesen Zeilen noch einmal klarmachen, dass wir all dies sehr wohl und gründlich reflektieren und wollen damit etwas von der Ironie der beiden vergangenen Texte nehmen, die sich vielleicht dem einen oder anderen Leser verschlossen hat.
Euer David
Was mit den Waffen dann letztendlich passiert und wie sie neben dem Selbstschutz eventuell auch Terroristen in die Hände fallen können, ist ein höchst kompliziertes Geflecht an sozialen, historischen und religiösen Faktoren, die sich in der kurzen Zeit auch uns nur bruchstückhaft erschließen. Es steht jedenfalls fest, dass nicht alles so schwarz und weiß ist, wie das in den Medien der westlichen Welt oft dargestellt wird. Für uns hat sich während dieser Tage diesbezüglich einiges relativiert, und der Diaolog mit den Menschen in dieser Gegend hat uns für so manche Dinge die Augen geöffnet.
Wir wollen mit diesen Zeilen noch einmal klarmachen, dass wir all dies sehr wohl und gründlich reflektieren und wollen damit etwas von der Ironie der beiden vergangenen Texte nehmen, die sich vielleicht dem einen oder anderen Leser verschlossen hat.
Euer David
Labels: Pakistan
Dienstag, Januar 10, 2006
Durchladen auf dem Schmugglerbazar
Es ist kaum zu glauben, dass man dem gestrigen Tag am Khyber Pass in Sachen "Abgefahrenheit" noch einen obendraufsetzen kann. Aber lasst euch sagen, es geht! Und wie das geht, folgt jetzt:
Heute früh sind wir abermals aufgebrochen mit unserem elektrischen und hippeligen Guide Kausar Hossein und mit seinem namenlosen Fahrer, aufgebrochen in die gesetzeslosen Stammesgebiete in der Umgebung Peshawars.
Zunächst ging es aber zum Bahnhof, wo es das Ticket für morgen Nacht nach Lahore zu lösen galt. Das war ausnahmsweise ein Kinderspiel. Nicht wie die anderen Male, wo man uns im Bahnhof von Schalter zu Schalter und nochmal an hunderttausend Schalter jagte, und wir am Ende wieder am Ausgangspunkt standen mit genauso vielen Zugtickets in der Hand wie zu Beginn. Ähnlich wie beim "Malen nach Zahlen" (Zitat Marius), nur dass da am Ende wenigstens ein schönes Bild herauskommt.
Nach dem Frühstück ging es dann los in Richtung "Smugglers Bazar". Diesen Ort an dem eigentlich keine Ausländer Zutritt haben, müsse man unbedingt gesehen haben, so unser Zappel Guide, und er kenne ohnehin alle Leute. Nach einigen Instruktionen, an welchem Polizeiposten man in welche Richtung wegzuschauen hatte, um nicht als Tourist erkannt zu werden, kamen wir schließlich auch an diesem verruchten Ort an. Aus dem Auto raus und sofort in ein kleines Lädelchen rein, da saßen wir also und die Show sollte beginnen. Zunächst wurden uns sämtliche Drogenprodukte vorgeführt, die die Gegend so zu bieten hat. Da die Gegend so ziemlich alles zu bieten hat, war das eine entsprechende Prozedur: milkatafelgroße Haschischbrocken, schneeweißes Heroin, schwarzer Afghane, rosaroter Panther, und wie sie alle heißen. All dies ganz selbstverständlich auch stets mit der Option auf käuflichen Erwerb. Es war im Grunde wie auf einer Kaffeefahrt, nur eben ohne Kaffee. Nebenbei wurden wir im Kreise anderer, bereits in Echtzeit konsumierender Kunden, heftigst eingenebelt. Es folgten Waffendarbietungen bis hin zu Vorführungen eines breiten Sortiments an trügerisch echten Falschgeldblüten in allen erdenklichen Währungen.
Nach unserer 30 minütigen "No-thank-you"-Endlosschleife ging es dann weiter mit einer Führung durch den Bazar, vorbei an dutzenden solcher Drogenhöhlchen und an irgendwelchen Opium quarzenden Gestalten, bis wir schließlich an einem offenen Platz standen. Und ehe ich mich versah, hatte ich auch schon eine Kalaschnikow an der Schulter und sollte eine Ladung Munition in die Luft blasen. Und so stand ich also da mit all meiner pazifistischen Gesinnung und Erziehung und sprühte ein Magazin voll Kugeln quer über den Grenzhimmel zu Afghanistan. Sehr strange das Ganze.
Nicht als ob uns nach alldem ohnehin schon etwas mulmig zumute war, aber es sollte noch besser kommen. Nach diesem bizarren Aktionismus, ging es nämlich in wilder Fahrt weiter nach "Darra", dem schrägsten aller Orte. Dort nämlich werden in gelassenster Selbstverständlichkeit Waffen gebaut, nachgebaut, repariert, getestet, getrimmt und verkauft. Die Hälfte aller Läden in diesem Ort sind Waffenschmieden, die andere Hälfte sind Fressgassen, um die Waffenschmiede zu ernähren. Und da wundert es einen, wo die ganzen Waffen immer herkommen. Absolut verrückt.Da läuft man also mit seinem bestochenen Schutzpolizisten durch die Sträßchen, und überall heraus glitzern M-16 Gewehre, Handwaffen, Pumpguns, und Allah weiß welche Kanonen. Ab und zu spicken Gewerbeführende mit ihrem Produkt kurz auf die Straße und ballern eine Prise in den Himmel um die Funktionalität ihres Werks zu begutachten. Und so donnert, raucht und schallt es eigentlich permanent in "Darra".
Der Heimweg war vergleichsweise friedlich, auch wenn ich das vor drei Wochen wohl noch anders gesehen hätte - denn wenn die Autos, Rikschas, Esel, Busse, LKWs, Radfahrer, Kühe es könnten, würden sie wohl auch noch über- und untereinander durchfahren :)
So langsam neigt sich der Tag dem Ende und außerhalb meines Internetcafés häufen sich die lauten Rufe, die das morgen beginnende und drei Tage andauernde "Eid"-Fest einläuten.
In diesem Sinne und bis zum nächsten Mal grüßt Euch feierlich und abenteuerlich
Euer David
P.S.: Fotos hochladen ist gerade ein bissl schwierig.
Heute früh sind wir abermals aufgebrochen mit unserem elektrischen und hippeligen Guide Kausar Hossein und mit seinem namenlosen Fahrer, aufgebrochen in die gesetzeslosen Stammesgebiete in der Umgebung Peshawars.
Zunächst ging es aber zum Bahnhof, wo es das Ticket für morgen Nacht nach Lahore zu lösen galt. Das war ausnahmsweise ein Kinderspiel. Nicht wie die anderen Male, wo man uns im Bahnhof von Schalter zu Schalter und nochmal an hunderttausend Schalter jagte, und wir am Ende wieder am Ausgangspunkt standen mit genauso vielen Zugtickets in der Hand wie zu Beginn. Ähnlich wie beim "Malen nach Zahlen" (Zitat Marius), nur dass da am Ende wenigstens ein schönes Bild herauskommt.
Nach dem Frühstück ging es dann los in Richtung "Smugglers Bazar". Diesen Ort an dem eigentlich keine Ausländer Zutritt haben, müsse man unbedingt gesehen haben, so unser Zappel Guide, und er kenne ohnehin alle Leute. Nach einigen Instruktionen, an welchem Polizeiposten man in welche Richtung wegzuschauen hatte, um nicht als Tourist erkannt zu werden, kamen wir schließlich auch an diesem verruchten Ort an. Aus dem Auto raus und sofort in ein kleines Lädelchen rein, da saßen wir also und die Show sollte beginnen. Zunächst wurden uns sämtliche Drogenprodukte vorgeführt, die die Gegend so zu bieten hat. Da die Gegend so ziemlich alles zu bieten hat, war das eine entsprechende Prozedur: milkatafelgroße Haschischbrocken, schneeweißes Heroin, schwarzer Afghane, rosaroter Panther, und wie sie alle heißen. All dies ganz selbstverständlich auch stets mit der Option auf käuflichen Erwerb. Es war im Grunde wie auf einer Kaffeefahrt, nur eben ohne Kaffee. Nebenbei wurden wir im Kreise anderer, bereits in Echtzeit konsumierender Kunden, heftigst eingenebelt. Es folgten Waffendarbietungen bis hin zu Vorführungen eines breiten Sortiments an trügerisch echten Falschgeldblüten in allen erdenklichen Währungen.
Nach unserer 30 minütigen "No-thank-you"-Endlosschleife ging es dann weiter mit einer Führung durch den Bazar, vorbei an dutzenden solcher Drogenhöhlchen und an irgendwelchen Opium quarzenden Gestalten, bis wir schließlich an einem offenen Platz standen. Und ehe ich mich versah, hatte ich auch schon eine Kalaschnikow an der Schulter und sollte eine Ladung Munition in die Luft blasen. Und so stand ich also da mit all meiner pazifistischen Gesinnung und Erziehung und sprühte ein Magazin voll Kugeln quer über den Grenzhimmel zu Afghanistan. Sehr strange das Ganze.
Nicht als ob uns nach alldem ohnehin schon etwas mulmig zumute war, aber es sollte noch besser kommen. Nach diesem bizarren Aktionismus, ging es nämlich in wilder Fahrt weiter nach "Darra", dem schrägsten aller Orte. Dort nämlich werden in gelassenster Selbstverständlichkeit Waffen gebaut, nachgebaut, repariert, getestet, getrimmt und verkauft. Die Hälfte aller Läden in diesem Ort sind Waffenschmieden, die andere Hälfte sind Fressgassen, um die Waffenschmiede zu ernähren. Und da wundert es einen, wo die ganzen Waffen immer herkommen. Absolut verrückt.Da läuft man also mit seinem bestochenen Schutzpolizisten durch die Sträßchen, und überall heraus glitzern M-16 Gewehre, Handwaffen, Pumpguns, und Allah weiß welche Kanonen. Ab und zu spicken Gewerbeführende mit ihrem Produkt kurz auf die Straße und ballern eine Prise in den Himmel um die Funktionalität ihres Werks zu begutachten. Und so donnert, raucht und schallt es eigentlich permanent in "Darra".
Der Heimweg war vergleichsweise friedlich, auch wenn ich das vor drei Wochen wohl noch anders gesehen hätte - denn wenn die Autos, Rikschas, Esel, Busse, LKWs, Radfahrer, Kühe es könnten, würden sie wohl auch noch über- und untereinander durchfahren :)
So langsam neigt sich der Tag dem Ende und außerhalb meines Internetcafés häufen sich die lauten Rufe, die das morgen beginnende und drei Tage andauernde "Eid"-Fest einläuten.
In diesem Sinne und bis zum nächsten Mal grüßt Euch feierlich und abenteuerlich
Euer David
P.S.: Fotos hochladen ist gerade ein bissl schwierig.
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Gastfreundschaft am Khyber Pass
Wenn man es erst einmal bis Peshawar in die “North-West-frontier-Province” geschafft hat, gibt es für den Durchschnittseuropäer nur noch ein Ziel: Hinauf auf den Khyber Pass und über die Grenze in das tiefer liegende Afghanistan blicken. Da Fremde bereits das Vorland nicht ohne weiteres betreten dürfen, vergrößerte sich unsere Reisegruppe für diesen Trip beträchtlich. Kausar Hussain (unser Reiseführer), ein Chauffeur, sowie ein Begleitschutz mit Kalaschnikow gesellten sich zu uns, um den Weg durch die „Tribal-Area“ anzutreten. Mit dem Passieren des Polizeipostens tauchte unser Transport dann auch gleich in eine völlig andere Welt ein. Viehmärkte, dubiose Gestalten sowie ein extrem wildes Treiben aller erdenklichen Lebewesen machten die Fahrt durchaus lebendig und erlebnisreich. Selbst die freundlichen Schafshirten tragen in diesem Gebiet ihre Kalaschnikows - wie in Freiburg die Girlys ihre Handtaschen - spazieren. Echt ein bizarres Bild! Ein grandioser Rundumblick bot sich dann weiter oben auf dem Weg zum Khyberpass, an welchem gerade drei einheimische Herren ihr idyllisches Picknick abhielten. Da mich unser Begleitschutz fürs Foto bereits mit der Kalaschnikow geschmückt hatte, dachte sich einer der Picknicker, David stünde im Vergleich dazu etwas nackt da und zückte unter seinem edlen Gewand eine Pistole hervor, die er David wortlos, dafür mit einem breiten Grinsen im Gesicht in die Hand drückte. Auch bei den Menschen am Khyber-Pass ist sie allgegenwärtig, die typisch pakistanische Gastfreundschaft :)
Mit 1000 Grüßen euer marius
Mit 1000 Grüßen euer marius
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Samstag, Januar 07, 2006
Entwarnung bei Dr. Niazi
Nachdem wir die letzten 1 1/2 Tage ausschließlich nichtstuend im Zug verbracht hatten, hat der heutige Tag diese Tatenlosigkeit gefühlsmäßig wieder vollständig wettgemacht. In meinem Fall ging er auch gleich mit Hochspannung los. Ich hatte nämlich meinen herbeigesehnten und zugleich gefürchteten Zahnarzttermin.Mittlerweile befinden wir uns nämlich in Islamabad, wo wir in einem einzigen epischen Zugritt von Quetta aus (1500 km in 30 Stunden) hingerattert sind. Hier habe ich von der deutschen Botschaft eine vertrauenswürdige Zahnarztadresse erhalten, nämlich genau bei der Zahnärztin, zu der auch alle Botschafter gehen. Das alleine war schon ziemlich beruhigend. Noch viel beruhigender neben den mittlerweile vollständig abgeklungenen Schmerzen war auch die Röntgendiagnose: "Mr. Lohmüller, there is absolutely nothing to worry about". Sicherheitshalber gab es noch ein paar Antibiotikapäckchen mit auf den Weg nach Indien, und dann war gut. Und das war auch gut so!
Sehr erleichtert ging es daraufhin mittenhinein in das weitere Tagesprogamm. Dazu gehörte zunächst die Wanderung auf einen Aussichtspunkt über der Stadt. Oben angelangt gesellte sich wenig später ein ziemlich scheues Männchen samt seinem Bruder zu uns auf das Bänkchen und startete zaghaft mit seinem Fragenkatalog. Ihm war anzumerken, wie aufgeregt und bewegt er war. Wie sich später herausstellte, war er, aus einem 1000 km entfernten Dörfchen kommend, zum ersten Mal zu Besuch bei seinem Bruder in der Großstadt, hat dort zum ersten Mal im Leben richtige Berge gesehen und auch zum ersten Mal einen Ausländer. Entsprechend umarmungsvoll war dann auch die Abschiedszeremonie.
Weiter ging es dann mit einem Spaziergang durch den nahgelegenen Wald in Richtung der Al-Faisal Moschee. Unterwegs wurden wir zufällig auf ein paar Raschelgeräusche im Dickicht aufmerksam. Diese wurden zu unserer Begeisterung verursacht durch ein paar Dutzend frei lebender Affen. Was folgte, war klar: Eine Heinz Sielmann-performance erster Güteklasse. Auf Indianerfüßen hinein ins Gestrüpp und dann verharren bis zur Fossilwerdung. Aber das Warten sollte sich lohnen. Einige neugierige Tiere ästelten sich tatsächlich in die Brennweite des Objektivs. Klick Klack, im Kasten.Und weiter ging es zur größten Moschee in ganz Asien. 100 000 Menschen können hier beten. Entsprechend imposant ist auch die Erscheinung dieses Gebäudes, dessen Architektur wie auch die der gesamten Retortenstadt, die erst erst im Jahre 1961 gegründet wurde, sehr modern ist. Bei unserer Heimfahrt in unserem unendlich überfüllten, rosaroten und purpurfarbenen Pornobus gab es dann als Zugabe noch eine Keilerei.
Carpe diem, Euer David
P.S.: Nach den ganzen Kopftuchwochen sind wir uns übrigens beide einig, wie schön es ist mal wieder Mädchen mit offenen Haaren zu sehen :-)
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Mittwoch, Januar 04, 2006
Leiden auf 680km
Es sind ja bereits einige Kilometer, die wir hinter uns haben, aber die 680 km von Taftan nach Quetta sollten seinesgleichen suchen. Wenn ich nicht selbst ein aktiv beteiligtes und nüchternes Mitglied bei diesem Unternehmen gewesen wäre, würde ich wahrscheinlich nicht glauben, was einem so alles - im wahrsten Sinne des Wortes - "widerfahren" kann. Die einzigartige Show begann schon mit dem Betrachten des Buses. Ein großer Haufen Müll! Das Dachgepäck fast so hoch wie der ganze Bus selbst und eine komplette Fensterseite irgendwie mit Klarsichtfolie geflickt. Der Blick in die Innenausstattung war mindestens genauso bereichernd. Zunächst einmal war der Bus bumsvoll besetzt mit den unglaublichsten Figuren, die man sich vorstellen kann - allesamt so farbenfroh wie ein Aschenbecher. Aber der "Schein" trog, denn auch hier war man uns wieder einmal mehr als nur wohlgesonnen. Das Zauberwort "German" produziert anscheinend nicht nur im Iran leuchtende Augen, good Job Außenministerium :)Auffallend, abgesehen von dem unüberschaubaren Wirrwarr an Deckengebambel, das dem Busfahrer ins Gesicht hing, war vor allem die großzügige Anzahl an Decken und Teppichen, die sich überall da verteilten, wo noch Platz war. Dies hatte auch seinen extrem guten Grund, wie wir bald feststellen sollten. Denn schon auf Kilometer 1 wurde klar, dass diese Nachtfahrt nicht eine wohltemperierte werden würde. Dies hatte Gründe: Zum Beispiel hatte mein Fensterarrangement gute zwei Zentimeter Spiel zwischen der Scheibe und dem Rahmen. Ganz zu schweigen von meinen Vorderleuten, wo dort eher eine obere Zweistelligkeit an Zentimetern "spielte". Hinzukommend war die Bustür immer mal wieder für größere Streckenabschnitte, wieso auch immer, weit geöffnet und die schon erwähnte Folienscheibe tat ein Weiteres um die minus 15 Grad Celsius (!!) Außentemperatur zu uns hereinzuholen. Und so blies permanent ein konzentriertes Eisstürmchen in unserem Bus. Freunde der Sonne, ich kann Euch sagen, das war echt mal eine Tortur. Da waren meine, pünktlich zum bestmöglichen Reisezeitpunkt einsetzenden Zahnschmerzen und die Tatsache, dass ich während der gesamten 15-Stunden Fahrt eine Beinbewegungsamplitude von ca. 3,7 cm hatte, reine Nebensache.Vielmehr waren wir alle eigentlich ausschließlich damit beschäftigt, wie man Kleidung und die vorhandenen Decken am Besten einsetzen kann, um so wenig wie möglich von sich und seiner Eigenwärme preiszugeben. Bei mir dauerte es ungefähr die halbe Distanz, bis es soweit war - 104 Zwiebelschichten, und am Ende schaute nur noch der rechte Nasenflügel hervor ;) Weniger erfolgreich war Marius, dessen Körperkerntemperatur sich stetig der Außentemperatur anglich. Sein Kommentar: "Hier zieht es wie Hechtsuppe", war eine wirklich lieb gemeinte Untertreibung. Die "Eingeborenen" verfolgten dagegen die Betäubungsstrategie und bastelten munter irgendwelche Tüten, die sie um uns herum wegquarzten. Dies hatte zur Folge, dass der alte Mann hinter mir, den Hustgeräuschen nach zu urteilen, eine nicht unerhebliche Anzahl gut bestückter Auswürfe herausgebrochen haben musste. Eine Nacht war das...
Am Morgen wurden wir auf den Bergpässen dafür mit grandiosen Panoramablicken über die Wüste Baluchistans halbwegs entschädigt. Um diese zu erklimmen, musste an unserem 2-PS-Bus übrigens bei jedem Anstieg manuell die Übersetzung gewechselt werden. Wahnsinn!! Maximalst gerädert kamen wir jedoch irgendwann tatsächlich in Quetta an. Die Ankunft war wirklich aufregend, denn auf den Straßen dieser Westernstadt herrschte schwindelerregendes Treiben. Überall Menschen, Esel, Karren, Viecher, Motor-Rikschas und VOR ALLEM diese in tausend Farben verzierten LKWs - überall! Schnell waren die Strapazen vergessen, und seither kunden wir voller Spannung und Begeisterung diese krasse Stadt aus, die Bazare, die Fressstuben, und wieder einmal genießen wir die herzliche Gastfreundschaft der Menschen hier. Morgen Mittag geht es dann weiter mit dem Zug nach Islamabad, wo ich mir vom Auswärtigenamt eine vertrauenswürdige Zahnarztadresse habe geben lassen. Mal sehen, was der so kann.Bis zum nächsten Highlight grüßt Euch
Euer David
Labels: Pakistan
Sprung nach Pakistan
"Es gibt nichts Erfrischenderes als ein beherzter Sprung über die Grenzen."Erfrischend ist genau das richtige Wort für das, was Katharina (die am Neujahrsmorgen ebenfalls Backsteine stapelte) David und mich erwatete, als wir uns früh morgens von Bam aufmachten, die pakistanische Grenze zu durchbrechen. Bei Minus 15 Grad Celsius und einem eisigen Wind aus Afghanistans Hochlagen im Gesicht standen wir an der Straße. Doch bereits nach wenigen Stunden Wartezeit und ein paar belanglosen Reparaturen an unserem Bus konnte es losgehen. Angekommen im wild verwegenen Zahedan, einer Schmugglerhochburg ohne erkennbare Regeln und Gesetze, galt es einen Fahrer ausfindig zu machen, welcher uns durch das Grenzgebiet taxieren würde. Und dies am besten, ohne uns dabei zu entführen ;) Als wir gefunden hatten, was wir suchten, düsten wir mit Mach 4 vorbei an Polizeistationen und Flakgeschützen durch das versteppte Gelände zum eigentlichen Grenzposten. Da dort selbstredend festgestellt wurde, dass Katharina aus Hamburg kommt, und dort ja auch ein Fußballer namens Madhevicia spielt, lief der Grenzübertritt quasi von selbst. Wir wurden über die Grenze förmlich getragen. In Pakistans staubigem Nirgendwo angekommen, standen dann auch gleich etliche "Devisenhändler" bereit, welche uns nach erfolgter Transaktion auf ihren Pickup zerrten und weiter Richtung Australien transportierten. -> Glatter hätt's nicht laufen können :)mit erfrischten Grüßen euer marius
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